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Kiefer-, Mund- und Gesichtschirurgie

Brüche (Frakturen) von Ober- und Unterkiefer infolge Traumatisierungen (Verkehrsunfall, schwere Beißereien) können mit Hilfe der verschiedensten Techniken versorgt werden. Invasive Methoden wie Plattenosteosynthese, extracutane Schienung (Becker) und transmandibuläre Schienung werden durch nicht invasive Drahtcerclage, Kunststoffschienungen (Protemp Garant), Kunststoffverblockungen, Parapulpärstift-Kunststoff-Techniken und deren Kombinationen ergänzt.

Bösartige Tumoren der Mundhöhle sind bei Hund und Katze oft der Grund für eine kieferchirurgische Maßnahme. Plattenepithelkarzinome, maligne Melanome, Fibrosarkome und Adenokarzinome sind häufig auftretende Mundhöhlentumoren. Die Frage, um welchen Tumor es sich handelt, kann nur durch eine Bioptatentnahme resp. Feinnadelaspiration mit anschließender histopathologischer und zytologischer Untersuchung beantwortet werden, weil das klinische Erscheinungsbild meist nicht eindeutig ist (z.B. ein malignes Melanom muß nicht schwarz pigmentiert sein). Vor dem Hintergrund dieser Untersuchungen ist eine systematische chirurgische Vorgehensweise und eine bessere Prognosestellung möglich.

Da die Mundhöhle von Hund und Katze für den Besitzer oft schlecht einer Untersuchung zugänglich ist, werden Mundhöhlentumoren häufig erst dann bemerkt, wenn bereits ein ausgedehntes Wachstum vorliegt und damit nur noch sehr invasive chirurgische Maßnahmen (Kieferresektion = Entfernen von Teilen oder des gesamten Ober- oder Unterkiefers - Maxillektomie/Mandibulektomie) eine weitere Ausdehnung des Prozesses verhindern können. Die Entfernung o.g. Tumoren hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn der Tumor mit einem Abstand von mindestens ca. 1,5-2 cm im gesunden Gewebe entfernt werden kann.

Vorhandene wichtige anatomische Gegebenheiten im Kopfbereich wie Nerven- und Gefäßverläufe sowie direkte angrenzende Organe (Augenhöhle, Nasenhöhle) müssen selbstverständlich bei einem Eingriff geschont werden und wirken so als limitierender Faktor. Damit macht also nur eine frühzeitige Operation eine vollständige Entfernung des Tumors möglich. Ist Letzteres nicht mehr durchführbar, kann der chirurgische Eingriff durch Bestrahlungen, Chemotherapie und Immuntherapie ergänzt werden, sofern dies sinnvoll erscheint.

Angeborene Defekte wie z.B. die Gaumenspalte (Palatoschisis), die beim Hund häufiger auftritt, können bereits im Welpenalter durch einen kieferchirurgischen Eingriff verschlossen und damit die physiologische Futteraufnahme wieder erreicht werden, so daß eine normale Entwicklung gewährleistet ist.

Verletzungen (z.B. Kinnabrasion) und Tumoren des Gesichtsschädels sind ebenfalls Gegenstand dieses Faches.


Oberkieferfraktur/
Unterkieferfraktur


Oberkiefer


Gaumenspalte

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